
Eigentlich wollte ich nie ein Kino leiten.
Angefangen habe ich dort, wo Kino für viele beginnt: hinter der Popcorntheke. Was zunächst einfach ein Job war, wurde mit den Jahren zu einem immer größeren Teil meines Lebens. Heute leite ich ein Kino – und beschäftige mich längst nicht mehr nur damit, welche Filme auf der Leinwand laufen.
Denn irgendwann habe ich verstanden, dass Kino sehr viel größer ist als das.
Kino ist die jüngste Form der Kunst und war das erste Medium der Massenkultur.
Es ist alt genug, um Erinnerungen und Nostalgie in uns auszulösen, und gleichzeitig ein Ort modernster Technik, der sich seit seinen Anfängen immer wieder verändert und neu erfunden hat.
Noch immer beginnt die öffentliche Geschichte eines Films im Kino. Hier wird aus einem Titel ein Ereignis, aus einem Film eine Marke. Die Exklusivität der großen Leinwand gibt ihm Bedeutung, schafft Aufmerksamkeit und prägt die Vorstellung davon, was wir mit ihm verbinden – lange bevor er seinen Weg auf andere Bildschirme findet.
Doch ein Kino besteht für mich aus weit mehr als seinen Filmen.
Kino wird von Menschen gemacht. Von denen, die es jeden Tag mit Leben füllen – und von denen, die immer wiederkommen.
Wenn aus einem Kinobesuch eine Erinnerung wird, aus Gästen Stammgäste und aus dem Kino irgendwann unser Kino, dann entsteht etwas, das keine Leinwand und keine Technik allein schaffen kann: Verbundenheit.
Vielleicht beschäftigt mich deshalb heute so vieles, das auf den ersten Blick ganz unterschiedlich erscheint:
Besucherbindung und Veranstaltungen. Kinokultur und ihre Geschichte. Die Menschen, die in unseren Häusern arbeiten, und die Frage, wie wir sie fördern und ihnen Perspektiven geben. Neue Ideen und die Zukunft einer Branche, die seit mehr als einem Jahrhundert immer wieder beweist, dass sie sich verändern kann, ohne ihre Bedeutung zu verlieren.
Für mich gehört all das zusammen.
Ich möchte nicht nur ein Kino verwalten. Ich möchte gestalten. Menschen für Kino begeistern, besondere Momente schaffen, Geschichten erzählen und sichtbar machen, was oftmals hinter der Leinwand verborgen bleibt. Ich möchte Bewährtes erhalten und gleichzeitig fragen dürfen, was wir besser machen können. Wie wir unsere Gäste enger an ihre Kinos binden. Wie wir Menschen in unserer Branche entwickeln. Und wie wir dafür sorgen, dass Kino nicht nur eine große Vergangenheit hat, sondern auch eine Zukunft.
Denn was Kino morgen sein wird, entscheidet sich nicht an einer einzigen Stelle. Es entsteht im Zusammenspiel einer ganzen Branche – und in dem, was wir gemeinsam daraus machen.
Gerade die Verantwortung, die ich ursprünglich nie übernehmen wollte, hat mich irgendwann über die Rolle der Theaterleiterin hinausgeführt. Denn dadurch habe ich gelernt, dass Verantwortung für Kino nicht an den Türen des eigenen Hauses endet.
Ich bin Kinomacherin.